Die Geburt meiner Tochter Mina-Sophie

Mensch, mein letzter Blogbeitrag ist schon etwas her. Da saß ich noch mit einer dicken Kugel vor dem PC und habe versucht es mir einigermaßen bequem beim Schreiben zu machen. Nun, fast 6 Wochen nach der Geburt, schaue ich neben mich und sehe meine vierte auf der Couch friedlich schlafen und habe ich endlich die Muße gefunden, meinen Geburtsbericht zu schreiben. Ich hoffe er gibt einigen Frauen das Gefühl nicht alleine zu sein, wenn es nicht so läuft wie man es 9 Monate geplant hat.


Meist kommt es anders als man denkt, passt wohl sehr gut zu meiner letzten Schwangerschaft und der Geburt.


Die Schwangerschaft kam unerwartet, ich hatte eine schwere Zeit, einen (Mama-)Burnout und absolut nicht auf meinen Zyklus geachtet.

Als meine Periode dann ausblieb war ich aber keinesfalls erschüttert, sondern habe mich sehr gefreut. Ich Liebe es schwanger zu sein, auch wenn die letzten Wochen und Tage meist sehr beschwerlich sind. Noch mehr aber liebe ich die Geburt. Der Moment, wenn nach den Schmerzen der letzten Wellen, du dein Kind in Empfang nimmst. Jeder Schmerz ist vergessen und man schaut auf dieses kleine Wunder das auf seiner Brust liegt. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich. Schade das man dieses Gefühl nicht für immer in dieser Intensität festhalten kann.


Dieses mal war mir klar, ich möchte mein Baby zuhause bekommen. Nicht, weil ich schlechte Erfahrungen um Krankenhaus gemacht habe, sondern weil ich dieses mal auf mich und meinen Körper hören und im Rahmen meiner Kinder ihr Geschwisterchen auf die Welt bringen wollte.

Außerdem dachte ich mir, in Zeiten von Corona ist mir die Vorstellung mit Maske und vorherigem PCR Test in der Klinik mein Kind zu gebären echt zu wider.

Auch entschloss ich mich dazu, die Vorsorge in der Hebammenpraxis zu machen, die mich auch während der Geburt begleiten sollten.


Die Schwangerschaft verlief angenehm und komplikationslos. Im November steckten wir uns dann noch mit Corona an, das war aber auch der einzige Infekt den ich hatte.


Ende November kam dann ein kleiner Einbruch, vor allem für meine Psyche. Die Trennung von meinem Partner. Ich war vorher schon alleine mit den Kids, und mit meiner Schwangerschaft. Aber da war mir klar, ich werde mein Baby alleine, ohne Papa bekommen, nicht weil er nicht dabei sein, sondern weil ich ihn nicht mehr in meiner Nähe haben wollte. Auch wurde mir klar, dass ich in der ersten Zeit für alle Kinder alleine im täglichen „Geschäft“ sorgen muss.

 

Anfang Dezember hatten wir dann noch das Geburtsgespräch, bei dem wir über alle Eventualitäten aufgeklärt wurden. Komplikationen, die auftreten können und eine ruhige, oder eine Notverlegung ins Krankenhaus notwendig machen. Das hat mich dann schon etwas beunruhigt. Dieses Gefühl war aber ganz schnell wieder weg, als wir darüber sprachen was ich alles für die Geburt besorgen soll und vorbereiten kann.


Die letzten Monate wurden dann etwas beschwerlicher. Mein Bauch wuchs und wuchs, Wassereinlagerungen kamen hinzu. Dazu kam ein Unfall mit dem Badewannenrand einige Wochen vor Geburt hinzu. Ich wurde mit 4 Stichen genäht.

Wegen Corona beschloss ich die Kinder und mich zu isolieren, um jede Gefahr einer Quarantäne zu entgehen, sodass einer Hausgeburt nichts im Wege steht. Also nahm ich zwei Wochen vor ET am 29.01.2022 Mia aus der Schule und die Kids aus der Kita.


Ein Glück war meine Mama in dieser Zeit für mich und meine Kids da, denn so entspannt war das alles nicht. Die drei Kids, alle aufgeregt, und ich, die sich nicht mehr bewegen konnte, angespannt durch den Schlafmangel und natürlich auch den Gedanken, dass mein kleines Mädchen nicht nach unten rutscht, oder auch wie Malina eingeleitet werden muss.

Ich muss zugeben, es war Stress pur! Ich habe versucht mit Meditationen, ätherischen Ölen, Gespräche mit Freunden meinen Kopf frei zu bekommen. Dies gelang mir um ehrlich zu sein nur bedingt.


Zur Ablenkung habe ich mir meinen Geburtsplatz eingerichtet, täglich visualisiert. Habe mich über jede Welle gefreut, die mir gezeigt hat, das mein Körper arbeitet und sich auf die bevorstehende Geburt vorbereitet. Leider immer mit der Angst im Hinterkopf, dass die kleine sich nicht vor ET+14 auf den Weg macht, denn ab diesem Tag ist es in Deutschland gesetzlich nicht mehr erlaubt von Hebammen bei einer Hausgeburt begleitet zu werden.




Der ET war da, ab heute musste ich alle 2 Tage zur Vorsorge und mir von meiner Frauenärztin das OK geben lassen das physiologisch nichts gegen eine Hausgeburt spricht.

Wow, um ehrlich zu sein hatte ich mir das mit der Hausgeburt etwas selbstbestimmter vorgestellt. Leider ist es doch sehr von außen vorgegeben. Freie Hebammen müssen sich rechtlich wahnsinnig absichern, falls irgendetwas passiert.


Nun hieß es warten, alle meine Kinder kamen später, und man wartet halt bzw man denkt sich mit Mia war es so, bei Marko ging es dann und dann los, bei Malina ging der Schleimpfropf schon viel früher ab usw. Meine Hebammen waren alle tiefenentspannt.


Ich war maximal gestresst, hatte überall Schmerzen, jede Frage: Und? Merktste schon was? hat mich wahnsinnig getriggert. Stories über Geburten die losgingen im Profil meiner Hebammenpraxis haben mich traurig gemacht.


Ich trank Wehentee, massierte täglich meinen Bauch mit einem Wehenöl das ich mir abgemischt habe. Bei ET+7 versuchte ich dann Nelkenöltampons und es wurde eine Eipollösung gemacht um vllt etwas anzuregen.

Was mich beruhigte, die kleine war fest und tief im Becken. Auch wenn dies keine wirkliche Aussage ist.


Es war Dienstag, ET+10. Ich war mit den Kids und meiner Mama am Jakobieweiher bei uns um die Ecke. Ich hatte ja schon lange Wehen, aber diese waren anders. Die Autofahrt heim war schon sehr beschwerlich. Zuhause angekommen wurden die Wellen stärker, musste sie veratmen.


Nach ca 4h stärkerer Wehen, habe ich mir dann so eine Wehen-App runtergeladen, die die Abstände aufgezeichnet hat. Zwischen 2-5min war alles dabei. Ständig sagte mir die App ich soll mich auf den Weg ins Krankenhaus machen oder den Rettungswagen rufen. Ich sagte den Kindern, dass das Baby wahrscheinlich heute kommt, da sie ja gesehen haben dass ich relativ starke Schmerzen hatte. Meine Mama kam dann runter, hat hier noch alles aufgeräumt und rumgewuselt was mich persönlich ziemlich gestresst hat.


Also schrieb ich meiner Hebi, die rief mich daraufhin an und ich habe ihr gesagt ich schaue noch mal eine Stunde, ob die Wehen bleiben. Mir ging es in dieser Zeit total komisch, wie als wäre ich nicht ganz klar im Kopf.

Nach einer Stunde meinte ich dann, sie solle doch lieber kommen. Malina hat schon geschlafen, Mia wollte Mittwoch zu meiner Mama, Marko wollte unbedingt bei mir bleiben. Zur Zeit war ich leider nicht in der Lage mich richtig um ihn zu kümmern, also richtig sein Papa an und bat ihn zu kommen.


Meine Hebamme kam zuerst an, danach mein Ex. Marko ist in dieser Zeit eingeschlafen. Für meine Hebamme war klar dass das Baby spätestens morgen kommt, und fing schon an das Vorsorgeheft mit Datum und Namen auszufüllen. Für mich war die Situation relativ strange, sie war ja eigentlich eine Fremden die bei mir in meiner Wohnung saß. Auch mein Ex hat mich einfach nur gestresst, seine Anwesenheit war für mich in dieser Zeit das absolute Grauen. Als meine Hebamme ihm dann aufgetragen hat den Pool zu befüllen habe ich gemerkt dass meine Wehen immer weniger wurden.


Tatsächlich waren sie am Ende dann komplett weg, und meine Hebamme ging gegen 3:30 Uhr wieder. Ich habe meinen Ex darauf hin weggeschickt, er hatte sich vorher hingelegt um sich auszuruhen. Um 4:00 Uhr bin ich eingeschlafen und war um 7:00 Uhr wieder wach.


Morgens meldete sich dann meine Hebamme und fragte wie’s mir geht. Tatsächlich sind die Wehen nicht mehr zurückgekommen. Nachmittags kam dann meine andere Hebamme die Bereitschaft hatte um mir noch mal meinen Bauch zu massieren und zu schauen ob sich eventuell der Muttermund noch etwas geöffnet hat. Der ist aber bei den 3 cm geblieben. Es war Mittwochabend und ich bin völlig kaputt um 20:00 Uhr eingeschlafen.


Am nächsten Morgen, es war ET+12 schrieb mir meine Hebamme, dass ich mich schon mal im Kreissaal melden soll um dort noch mal ein Ultraschall und ein CTG zu schreiben. Auch dass ich mich schon mal ankündige so dass ich nicht bei ET+14 dastehe und die in der Klinik irgendwas von Kaiserschnitt erzählen.

Also rief ich im Kreissaal an erklärte dem Pfleger am Telefon die Situation. Die diensthabende Ärztin übernahm das Gespräch. Sie meinte sofort, wenn ich jetzt komme müsste ich mich gegen ärztlichen Rat entlassen, da sie es für sinnvoll hielten mit der Einleitung zu beginnen. Aber ich sollte erst mal vorbeikommen und dann weiterschauen.


Nach dem Telefonat hatte ich einen Zusammenbruch und hab einfach nur geheult. Die Kids kamen und haben mich getröstet. Daraufhin habe ich meine Mutter angerufen und ihr gesagt das ich ins Krankenhaus zum Ultraschall und CTG muss. Meine Klinik Tasche war nur halb gepackt, da ich das alles so ja nicht geplant habe.

Innerlich wusste ich, ich leite jetzt ein und hab mein Baby heute Abend in meinen Armen. Ich nahm meine Geburtsöle, alle meine Sachen die ich mir hier bereit gestellt hatte, packte sie in die Kliniktasche und zog meine Kids und mich an.

 

In der Klinik angekommen hab ich zu Mia gesagt ihr könnt mich morgen früh wieder abholen. Wenn schon keine Hausgeburt, dann wollte ich wenigstens ambulant entbinden. Es verging einige Zeit bis ich ans CTG durfte, dass eine absolute Katastrophe war. Es wurde mir eine Infusion mit Flüssigkeit angehängt, um mich und die Kleine zu beruhigen. Nach 1 Stunde hat sich das CTG nicht geändert ihre Baseline war ständig über 170/180. Also wurde es abgemacht und ich bin erst mal zum Ultraschall. Die Ärztin klärte mich über die Einleitung auf und fragte mich wie lange es bei Malina gebraucht hat. 18 Stunden waren für sie wohl vollkommen okay da es nur zwei Gaben gebraucht hat, so dass sie sich dafür entschied wieder mit Gel einzuleiten.

Nach dem Ultraschall, wo natürlich alles in Ordnung war bin ich wieder zurück zum CTG gekommen durfte noch etwas essen und wurde dann eingeleitet. Wenn das Gel gelegt wird muss man noch 1 Stunde liegen. Das tat ich dann am CTG das auch super war. Danach durfte ich auf Station.


Ich entschloss mich, meine Situation nun so anzunehmen wie sie ist, es mir so schön wie möglich zu gestalten. Ein Geburtshotel.

Es war ca 17 Uhr, ich wollte noch mal zum Kiosk um mir etwas zum Lesen zu holen. Der Weg dorthin war schon relativ beschwerlich.

Als ich im Zimmer ankam, stand das Abendessen schon bereit. Ich aß, mit kleinen Pausen um die Wehen zu veratmen.

Danach ging ich duschen, habe meiner Hebamme geschrieben und mich in mein Geburtskleid geworfen.

Um 18.30 Uhr sollte ich noch mal zum Kontroll CTG in den Kreißsaal. Kennt ihr schon diese coolen kabellosen CTG Dinger? Gabs bei Malina noch nicht!





Nach dem CTG durft ich wieder auf Station watscheln. Ich hatte nun eine liebe Bettnachbarin während meiner Abwesenheit bekommen.

Es war ca. 19.30 Uhr als ich wieder auf meinem Zimmer war.

Langsam wurden die Wehen stärker, ich musste immer mehr verarmen und Positionen finden in denen die Schmerzen besser auszuhalten waren. Ich fing um gegen 20.30 Uhr wieder an die Wehen zu stoppen, alle 2min.. sportlich.

Also rief ich eine Schwester, die mich dann in den Kreißsaal schickte. Der Weg dahin war, sagen wir es so, schmerzhaft und mit einigen Pausen versehen.


Im Kreißsaal angekommen, wurde wieder ein CTG geschrieben. Das sah schon anders aus als das letzte. Es war ca. 21.30 Uhr.





Nun haben sie mich auch nicht mehr zurückgeschickt. Eine Hebamme fragte mich ob ich etwas gegen die Schmerzen haben möchte, dies verneinte ich. Ich muss dazu sagen, wer die Schmerzen bei Einleitung kennt, weiß das sie nicht mit natürlichen Wehen zu vergleichen.

Die Zeit verflog und ich weiß noch, dass ich meiner Freundin um 22:30 Uhr ein Bild der Badewanne gesendet habe, die bei mir im Kreissaal stand. Ich versuchte noch mich in der Badewanne zu entspannen, doch das war nicht mehr möglich. Ich bin aus der Badewanne regelrecht geflüchtet. Der Schmerz war nicht auszuhalten.


Dies hörten auch die Hebammen, und wussten dass es gleich los ging. Sie blieben durchgehend bei mir. Mein Muttermund war auf 8 cm. Für die ältere Hebamme war klar sobald meine Fruchtblase platzt, wird die kleine auf die Welt kommen. Ich hatte mittlerweile solche Schmerzen, dass ich am liebsten einfach alles abgebrochen hätte, was ein gutes Zeichen ist das die Geburt unmittelbar bevorsteht.

Die jüngere Hebamme machte mir Tee massiert mir meinen Rücken und sprach mir ganz lieb zu. Ich erinnerte mich daran das ich bei Marko einen Buscopantropf bekam und innerhalb von wenigen Minuten meine Fruchtblase durch die Entspannung aufging. Ich sagte der jüngeren Hebamme, dass sie mir bitte den Tropf dranmachen soll, ich wusste dass die Schmerzen davon nicht weg gingen, aber ich hoffte auf etwas Entspannung meiner Gebärmutter.


Innerhalb von zwei Wehen sprang meine Fruchtblase und Mina rutschte sofort in den Geburtskanal. Es war 23:15 Uhr. Ich hatte das Gefühl es zerreißt mich und verspürte den umgehenden Drang zu pressen. Die Hebammen legten mich auf die Seite und holten noch weitere Hebammen sowie die zwei Ärzte die in einer Klinik immer anwesend sein müssen. Somit hatte ich das Gefühl ein ganzes Dorf um mich herum zu haben, was für mich nicht schlimm war, sondern eher ein Gefühl gab nicht alleine zu sein. Eine Hebamme hielt mein Bein, bei der anderen Hebamme hielt ich den Arm und die dritte half mir Mina auf die Welt zu bringen. Ich muss nicht sagen dass es super schnell ging. Innerhalb von zwei Wehen war der Kopf geboren, bei der nächsten die Schulter und der Körper. Um 23:21 Uhr erblickte Mina-Sophie das Licht der Welt und wurde mir sofort auf die Brust gelegt. Sie schrie sofort los als gäbe es kein Morgen. Ihre dunklen Haare waren noch ganz verklebt. Ich war überglücklich und stolz darauf mein Kind geboren zu haben.


Am nächsten Morgen holten mich Mia und meine Mama in der Klinik ab.


Tatsächlich war es für mich am Anfang sehr schwer sie nicht Zuhause wie geplant geboren zu haben, habe ich es mir doch so sehr gewünscht. Viele Tränen sind geflossen, aber Mina hat sich dafür entschieden. Jede Seele kennt schon vorher den Ort und die Zeit an dem sie geboren wird. Und damit bin ich nun OK.

Trotzdem werde ich, um ganz damit abzuschließen noch eine Kakozeremonie mit einer ganz lieben Bekannten machen, um auch innerlich mit jeder Zelle die Trauer loszulassen,


Für mich war es trotz der Umstände eine tolle Geburt. Ich habe mich in der Klinik wohlgefühlt und bin glücklich ein gesundes Baby in den Händen halten zu dürfen!


Bis ganz bald!


Eure Susi - Ganzheitlich Mama







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